Zivilcourage ist auch für Kinder wichtig

Zivilcourage ist auch für Kinder wichtig

Zivilcourage ist ein großes Wort, hinter dem viel Bedeutung steckt. Wie die Medien zeigen, nicht immer nur Gutes. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist es wichtig, auch solch schwierige Themen mit den Kids zu besprechen.

Was ist Zivilcourage?

Gerade die jüngeren Kinder verstehen das Wort wahrscheinlich noch nicht. Oder haben es bereits gehört, wissen aber nicht viel damit anzufangen. Der Begriff setzt sich aus „civil“ und „courage“ zusammen. Übersetzt heißt das so viel wie „bürgerlicher Mut“. Das sagt allerdings noch nicht viel über dessen Bedeutung aus. Es geht darum, dass eine einzelne Person mutig ist und für seine eigene Meinung einsteht. Zivilcourage kann durch ganz verschiedene Arten erfolgen. Sieht beispielsweise ein erwachsener Mann, wie sich zwei Jugendliche streiten und einer droht handgreiflich zu werden, kann dieser eingreifen. Dabei geht es immer darum, einen gewaltsamen Konflikt zu vermeiden. Beobachtet ein Grundschüler dieselbe Situation, ist die passendere Form der Zivilcourage, Hilfe zu holen.

Warum ist Zivilcourage wichtig?

In jeder Umgebung können Situationen entstehen, in denen Zivilcourage helfen kann. Wenn ein Freund unsere Hilfe benötigt, schreiten wir ein. Wieso nicht, wenn Fremde Hilfe brauchen? Der Zuschauer-Effekt zeigt, wenn viele Menschen etwas beobachten, schreitet keiner ein. Menschen in einer größeren Gruppe weisen die Verantwortung von sich. Macht nur einer den ersten Schritt und hilft, in welcher Form auch immer, ist der „Bann“ gebrochen. Aber einer muss diesen Schritt wagen.

Kann Zivilcourage erlernt werden?

Ja! Altersgerecht und ohne sich selbst zu gefährden! Kinder können sensibilisiert werden und lernen, wann sie Hilfe holen müssen. Die ersten Erfahrungen werden oft bereits in den Grundschulen mit Mobbing gemacht. Dort können Kinder beispielsweise in einer kleinen Gruppe die Initiative ergreifen und das Beschimpfen eines anderen Kindes stoppen. Die Lehrkraft kann dazu geholt werden. Kinder können ihren Eltern davon erzählen und besprechen, was sie gemeinsam unternehmen können. All das ist möglich.

Folgend haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, wie ihr eure Kinder bei dem Thema Zivilcourage unterstützen könnt.

1. Verantwortung übernehmen

Verantwortungsgefühl und Selbstvertrauen gehen oft Hand in Hand. Kinder, denen schon früh Stück für Stück Verantwortung übertragen wird, lernen damit umzugehen. Geben Eltern ihren Kindern Aufgaben, zeigen sie damit, dass sie ihnen vertrauen. So wächst auch deren eigenes Vertrauen in sich selbst. Genauso verhält es sich mit Entscheidungen, die die Kinder selbst treffen dürfen. Dazu gehört auch, für die Konsequenzen gerade zu stehen. Unangenehme Situationen zu bewältigen, fällt deutlich leichter, wenn Selbstvertrauen da ist und auch vorher Verantwortung übernommen wurde.

2. In kleinen Schritten mutig werden

Es gibt viele Möglichkeiten, den „kleinen“ Mut zu schulen. Wie wäre es mit dem Sprung vom 3-Meter-Brett? Oder die Bestellung an der Frischetheke im Supermarkt? Für Kinder ist es eine große Aufgabe, fremde Personen anzusprechen. Um Hilfe zu holen, ist es jedoch wichtig, dass Kinder sich das trauen. Durch Übung fällt es immer leichter und wird zur Routine. Außerdem werden Kinder schneller selbstständig und lernen, Situationen selbst einzuschätzen. Mit jemandem zu telefonieren, den man nicht so gut kennt, kann auch eine Herausforderung sein. Zum Hilfe holen sollte jedes Kind die Telefonnummer der Polizei und des Krankenwagens wissen. Zusätzlich dazu müssen Kinder wissen, welche Informationen sie im Notfall weitergeben müssen.

3. Eigene Ansichten gut kommunizieren

Eine eigene Meinung zu haben und diese auch beharrlich vertreten zu können, ist eine wichtige Eigenschaft. Beharrlich meint in diesem Kontext nicht stur darauf zu beharren. Vielmehr geht es darum, sich nicht unterkriegen zu lassen. Ein besseres Argument hingegen anzunehmen, zeugt von Stärke und Größe. Um zunächst gehört zu werden, muss aber auch das Auftreten und die Kommunikation stimmen. Die eigene Meinung muss gut dargelegt werden und das bei sicherem Auftreten. Gerade Körperhaltung, starke Stimme, logisch strukturierte Argumente. Zum Üben eignen sich Vorträge vor der Klasse, die Rolle als Klassensprecher oder das Trainieren einer kleineren Gruppe in der Lieblingssportart.

4. Empathie üben

Empathie ist eine wichtige Fähigkeit, um in verschiedenen Situationen Zivilcourage zu zeigen. Sich in andere hineinzuversetzen ist nicht immer leicht. Besonders Kindern fällt dies noch schwer. Durch Rollenspiele könnt ihr die Empathie eurer Kinder fördern. „Wie würdet du dich fühlen, wenn …?“ So sensibilisiert ihr euer Kind für die Gefühle anderer.

5. Ängste zulassen

Angst wird fast ausschließlich als negatives Gefühl gesehen. Doch sie ist dazu da, um uns zu beschützen. Wir müssen zwar nicht mehr vor dem Säbelzahltiger davonlaufen, doch nützlich ist sie allemal. Mit ihrer Hilfe können wir risikoreiche Situationen besser einschätzen. Sie warnt uns vor waghalsigen Aktionen, die potenziell gefährlich werden können. Deshalb ist sie bei mutigem Handeln so wichtig! Wenn die Kids ihre Ängste nicht nur akzeptieren, sondern auch zulassen und sie richtig deuten, helfen sie dabei zu entscheiden, welche Form der Zivilcourage jetzt angebracht ist.

6. Kampfkunst unterstützt zusätzlich

Kinder, die Kampfsport betreiben, sind oft selbstbewusster und können ihre körperlichen und psychischen Fähigkeiten besser einschätzen. Außerdem fördert die Kampfkunst das Gemeinschaftsgefühl und souveränes Verhalten in der Gruppe. Respekt und gegenseitiger Unterstützung ist dafür das A und O!

Im Unterricht müssen sie bei Übungsangriffen schnell Entscheidungen treffen. Diese Fähigkeit hilft ihnen auch im Alltag. Beobachten sie eine Situation, in der jemand Hilfe benötigt, entscheiden sie schneller, was die richtige Reaktion ist. Mit Themen wie Mut oder Angst hatten sie im geschützten Umfeld bereits Erfahrungen. Dadurch lernen sie besser damit umzugehen und trotz Angst gelassener zu reagieren.